Bohrs Atommodell


Das Bohrsche Atommodell hat nach wie vor den Vorzug, dass es sehr anschaulich ist. Auch wenn es heute als überholt gilt und verglichen mit dem komplexen Modell der neueren Quantenmechanik fast naiv anmutet, hat es beim Nachdenken über Atommodelle in der Schule Vorzüge. Seine Annahmen sind klar und wo sie etwas gewollt sind, merkt man das auch. Seine Schwächen sind offensichtlich und nicht in einem komplizierten mathematischen Apparat versteckt, den man als normaler Mensch nicht verstehen kann. Im Prinzip kann man auch den Verbesserungen des Modells durch z.B. Arnold Sommerfeld folgen. Das ist aber eher etwas für Physikhistoriker. Der wesentliche Punkt ist, dass Bohr als Erster die Plancksche Konstante h in sein Modell eingebaut hat. Sie führt dazu, dass der destabilisierende Energieverlust praktisch "verboten" wird: Das Atom kann nur in Sprüngen Energie aufnehmen und verlieren, wie es in den Postulaten festgestellt wird.

Bohr und Einstein
Obwohl Bohrs Name eng mit seinem Atommodell verbunden ist, ist es vielleicht nicht seine größte Leistung. Bohr hat in Kopenhagen über Jahre hinweg eine produktive Schule für Physiker aufgebaut, aus der bedeutende Wissenschaftler hervorgegangen sind. Er war ein tiefgründiger Denker und seine Diskussionen über die Quantenphysik mit Albert Einstein sind ein Teil der Physikgeschichte geworden; deshalb auch das Bild mit den beiden im Gespräch. Mit Einstein lag er oft über Kreuz. Ohne hier philosophisch ganz wasserdicht zu sein, lag das an unterschiedlichen Vorstellungen von Erkenntnis und unterschiedlichen Erwartungen an eine physikalische Theorie: Während Bohr eine Theorie immer für eine mehr oder weniger willkürliche Hilfskonstruktion hielt, wollte Einstein den Zusammenhang zwischen Wirklichkeit und Theorie nicht so leicht aufgeben. Eine vollständige Theorie sollte seiner Meinung nach zu jedem Objekt der Wirklichkeit einen entsprechenden Begriff haben. Für Bohr war dagegen nur wichtig, "was am Ende herauskommt." Er meinte damit die beobachtbaren Phänomene, z.B. die Spektrallinien.